30.8.07

von Aserbaidschan nach Georgien

Hallo alle zusammen,

Angekommen in Baku fanden wir, nach einer überteuerten Taxifahrt, ein relativ gutes Hotel am Rande der Innenstadt mit Klimaanlage für 30€. Der einzige Haken war, dass sich in dem Hotel zu 99,999999999% nur MÄNNER befanden :-( Es gab nur eine gemeinsame Dusche und ich klebte am ganzen Körper, musste also unbedingt Duschen!!! Außerdem stanken die Toiletten, als ob da seit 500 Jahren keiner mehr sauber gemacht hat...eben wie so ein Männerklo immer riecht ;-) !!! Zu meiner Rettung fand Thomas heraus, das der Duschraum abgeschlossen werden kann und ich fand auch eine Toilette, die die Männer anscheinend noch nicht gefunden hatten!!! Gerettet!!!
Wir machten uns mal wieder auf Geldsuche ;-) ... gott sei Dank gibt es hier Geldautomaten. Vor ein paar Jahren gab es hier anscheinend eine Währungsreform, denn ein Manat entspricht ungefähr einem Euro und nicht mehr 4500 Manat sind ein Euro!!! Besonders schön finde ich, dass die Aserbaidschaner sich an dem Euro und nicht am Dollar orientiert haben.
Das wars dann aber auch was ich in Aserbaidschan schoen finde. Hier ist eine Baustelle an der anderen und man sieht aber nirgendwo Menschen arbeiten! Die Menschen schmeissen das Oel-Geld mit vollen Haenden zum Fenster raus. Alle fahren teuere Autos und kaufen teure Klamotten, aber ihre Wohnumgebung sieht aus wie ein Slum (Elendsviertel)! Von Nachhaltigkeit haben die Menschen hier noch nichts gehoert und dies wird ihnen in den naechsten Jahren, wenn das Oel knapp wird, auf die Fuesse fallen.
Das einzig interessante in der Umgebung von Baku waren Hoehlenmalereien 30km von der Hauptstadt entfernt. Diese gehoeren zum Weltkulturerbe und wir mussten sehr viel Eintritt bezahlen ...
Auch die Altstadt von Baku gehoert zum Weltkulturerbe, was mich bald auf die Palme gebracht hat. Diese alten Ruinen wurden alle rekonstruiert und man kann nicht mehr sagen, dass diese Gebaeude historischen Wert haben, da sie aussehen wie neu! Auch die alte Stadtmauer, die heute als Muellhalde dient, gehoert zum Weltkulturerbe! Da frag ich mich nur immer wieder warum, das historische Dresden nicht auf der Liste steht und die Bruecke nicht gebaut werde darf... vermutlich weil wir unsere Gebaeude nicht als Muellhalden nutzen! Das nenn ich doch mal GERECHTIGKEIT!!!
Nun ja wir hatten nach knapp zwei Tagen in Baku wahrlich genug von dem Land und den Menschen und freuten uns nun auf eine lange Zugfahrt in das schoene Georgien. Um 20 Uhr ging es in Baku los und um 11 Uhr am naechsten Tag waren wir endlich in Tbilisi.

Tschabuka, unser Kontakt in Georgien, wartete schon auf dem Bahnhof auf uns und nach einer kleinen Tour durch die Stadt, ging es zu seiner Frau Irma und seinem Sohn Luka. Irma hatte schon lecker Essen fuer uns vorbereitet und so fing die "Maesterei" an ;-) ...Irma ist naemlich eine Fee in der Kueche! Sie kocht so ja sooooo lecker ... unglaublich! Ich habe mir schon allerlei Rezepte geben lassen und wer mag, darf dann gerne mal auf einen georgischen Abend vorbeikommen ;-) ... In Georgien besuchten wir die Felsenstaedte Wardsia und David Garedja, die Hauptstadt Tbilisi natuerlich und Kasbegi von wo aus es auf den Kazbek (5033m) ging. Ja die Menschen hier sind einfach super nett, das Essen, wie schon erwaehnt, unglaublich lecker und vielfaeltig und die Natur ebenso vielfaeltig wie das Essen.
Der Hoehepunkt in Georgien sollte unsere Bergbesteigung werden. Wir fuhren also nach Kasbegi in den grossen Kaukasus. Unterwegs sammelten wir Mark, einen Studienfreund von Thomas, ein. Mark brachte die notwendige Ausruestung mit: Eispickel, Steigeisen und Seile, sowie allerlei "Berg-Futter". Der Bergfuehrer wurde ueber georgische Freunde organisiert und so ging es am naechsten Tag frueh um 7 in Kasbegi los. In 5 1/2 h meisterten wir 2000 Hoehenmeter und kamen auf der Wetterstation in 3800m Hoehe an. Mit der Zeit lagen wir recht gut, dennoch sollten wir den naechsten Tag erstmal zur Akklimatisierung nutzen, da wir ja von Normal Null kamen. Wir machten eine kleine Tour bis zum Ersten Gletscher und uebten auch nochmal das Laufen auf Eis und Gletscher. Am naechsten Morgen um ein Uhr standen wir dann auf. Nach einer Tasse Tee und einem Muesliriegel ging es dann los in Richtung Kazbek. Nach einer Stunde mussten wir jedoch umdrehen, da ein Schneesturm aufkam und dieser immer staerker wurde. Etwas enttaeuscht krabbelten wir dann gegen drei Uhr wieder in unsere Schlafsaecke und schliefen weiter. Der zweite Versuch in der darauffolgenden Nacht sollte leider auch nichts werden, da schon zum Zeitpunkt des Aufstehens draussen Schneesturm herrschte. Loslaufen hatte also gar keinen Sinn! :-( also muessen wir nochmal nach Kasbegi... denn ein dritter Versuch ist von der Zeit nicht drin und auch die Bergfuehrer meinten, dass das Wetter sich vermutlich nicht so schnell aendern wird. Nico und Mark nutzten nur nochmal die Gelegenheit bis auf 4700m hoch zu laufen und Thomas und Ich gingen zur (vermutlich) hoechsten Kirche Europas auf 4200m Hoehe gelegen. Danach stiegen wir wieder hinab nach Kasbegi. Dort herrschte Feiertag und so wurden wir kurzerhand zu Wein, Fleisch, Chachapuri, Chinkali, Melone und und und eingeladen. Uns wurde ein kostenloser Bergfuherer fuer das nachste Mal versprochen und so verabschiedeten wir uns von unseren neugewonnen georgischen Freunden. Zum Schluss meinte Surabi, unser Bergfuehrer, nochmal, dass der Berg jetzt weiss das wir gute Menschen sind und es damit das naechste Mal klappen wird! In diesem Sinne verlassen wir Kasbegi bis zum naechsten Versuch ;-)

Jetzt sind wir wieder in Tbilisi um noch ein paar letzte Dinge zu erledigen und morgen geht es dann weiter in den Westen von Georgien - Swanetien und dann ans Schwarze Meer.

Viele Gruesse und bis bald
Eure Stefanie

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